Festungsruine Hohentwiel in Singen

Der Hohentwiel, mit neun Hektar Fläche eine der größten Festungsruinen Deutschlands, bietet die schönste Aussicht des Landes: Von den historischen Befestigungen schweift der Blick vom Bodensee über die sanften Hügel des Hegaus bis zur Gipfelkette der Schweizer Alpen.

Schwäbische Residenz

Erste Spuren der Besiedlung stammen aus der späten Bronzezeit. Die mittelalterliche Geschichte beginnt im Jahr 914 mit dem Bau einer Verteidigungsanlage auf dem Berg Twiel. Die Herzöge von Schwaben bauten ihre Befestigung zur Residenz aus. Herzog Burkhard III. (954-973) und seine Frau Hadwig machten daraus ein glanzvolles Herrschaftszentrum. In den folgenden Jahrhunderten gelangte der Hohentwiel in den Besitz der Herzöge von Zähringen, nach 1300 wurde er zu einer gewöhnlichen Ritterburg im Besitz der Familie von Klingenberg.

Württembergische Landesfestung

Als Herzog Ulrich von Württemberg nach turbulenten Jahren 1519 aus seinem Land vertrieben wurde, blieb ihm als Zuflucht nur noch der Hohentwiel. Er übernahm die Burg von der Familie von Klingenberg, ohne je den vollen Kaufpreis zu zahlen, und brach von hier aus später zur Rückeroberung Württembergs auf. Er und sein Nachfolger, Herzog Christoph, bauten den Hohentwiel zu einer der sieben Landesfestungen aus. Zugleich ließen sie die mittelalterliche Burg zu einem fürstlichen Haus erweitern.

Tor zum Innenhof der oberen Festung der Festungsruine Hohentwiel Gewölbe im Erdgeschoss des Schlosses der oberen Festung der Festungsruine Hohentwiel
Blick in den Innenhof und das Erdgeschoss des Fürstlichen Hauses.
Der Gewölbekeller der oberen Festung der Festungsruine Hohentwiel
Einst ein dunkles Gefängnis: der Gewölbekeller.

Uneinnehmbare Festung und Gefängnis

Weder im Dreißigjährigen Krieg – fünf Belagerungen allein zwischen 1635 und 1644! – noch in den Kriegen Ludwigs XIV. von Frankreich konnte der Hohentwiel jemals eingenommen werden. Im 18. Jahrhundert nutzten die württembergischen Herzöge den Hohentwiel als Landesgefängnis. Als am 1. Mai 1800 die Armeen Napoleons anrückten, war das Ende gekommen: Die Kommandanten gaben die Festung kampflos auf. Der Hohentwiel wurde schließlich von den französischen Truppen gesprengt und unbewohnbar gemacht.

Als Festung zerstört - Wie ging es weiter?

Historiker und Dichter interessierten sich für den Hohentwiel: 1835 und 1857 wurden Bücher über die Geschichte des Hohentwiels publiziert, 1855 erschien der Roman „Ekkehard“ von Joseph Viktor von Scheffel. Dieser Roman machte den Hohentwiel berühmt, als Folge davon entstanden die Festspiele am Hohentwiel, die den Roman als Theaterstück zeigten. Seit 1969 findet das „Hohentwiel Festival Singen“ statt – ein Balanceakt zwischen dem beliebten Kulturangebot und den Anforderungen des Naturschutzes, denn der Hohentwiel ist seit 1941 Naturschutzgebiet.

Zur Webseite der Festungsruine Hohentwiel

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